MEIN 1. JAHR ALS VOLLBLUT-UNTERNEHMERIN:

Eindrücke & Erfahrungen aus dem Leben einer Selbstständigen

Selbstverwirklichung und Freiheit lagen mir schon immer sehr am Herzen.

Doch noch nie konnten sich diese beiden Aspekte in meinem Leben so intensiv entfalten wie in diesem Jahr, wofür ich wahnsinnig dankbar bin. Ein selbst geregelter Tages- und Wochenablauf, ohne räumlich oder zeitlich ein Korsett übergestülpt zu bekommen, bringt einen enormen Teil an gesteigerter Lebensqualität mit sich. Nichtsdestotrotz halte ich für mich persönlich am Frühaufsteher-Konzept fest, da ich es liebe so viel vom Tag zu haben und die frühen Morgenstunden in Ruhe zu genießen. Ich kann meine Mittagspause in Gemeinschaft verbringen, mich in die Sonne legen, spazieren gehen, auf der Couch abhängen, Klavier spielen oder telefonieren. Ich kann sein, wo ich will und wann ich es will und muss mich dabei vor niemandem außer mir selbst rechtfertigen. Durch sogenanntes „Intermitted Fasting“ spare ich mir außerdem morgens und mittags die Zeit, die normalerweise für die Zubereitung von Essen anfällt, esse erst abends und dafür dann aber richtig genüsslich. Das ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern erspart mir auch einen Großteil der Zeit, die ich sonst für’s Fitness Studio aufbringen müsste. 😉

Die weniger erfreulichen Nachrichten:

Natürlich hat die TO DO Liste nie ein Ende. Die Aussage „Selbstständig sein, bedeutet selbst und ständig zu arbeiten“ kann ich so allerdings trotzdem nicht bestätigen, denn immerhin kann ich selbst dafür sorgen, welchen Teil meiner Arbeit ich automatisiere oder vielleicht auslagere. Es liegt also an jedem selbst sich ein intelligentes System aufzubauen. Vor allem wer dabei noch passives Einkommen aufbaut, hat die Möglichkeit, nach einer intensiven Aufbau-Phase das Leben zu führen, von dem er oder sie schon immer geträumt hat. Davon bin ich überzeugt.

Mein typischer Arbeitsalltag?

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht genau, ob ich so einen habe. Täglich prasseln hunderte von relevanten Themen auf einen ein. Die ersten Wochen, wenn nicht sogar Monate, hatte ich regelmäßig zwanzig Tabs in fünf verschiedenen Fenstern offen, da ich im Minuten-Takt über Informationen im Netz gestolpert bin, die relevant für mich waren. Das reicht von der Buchhaltung über rechtliche Themen, Tools, Informationen über Suchmaschinenoptimierung, Akquise-Konzepten, Veranstaltungen bis hin zur idealen Organisation und vielem mehr. Als Einzelunternehmer bist du allein für alles verantwortlich. Du machst die Terminplanung, legst Druckerpapier ein, schreibst Rechnungen, gehst auf Netzwerkveranstaltungen, pflegst deine Online-Auftritte, erstellst dafür selbst die Inhalte, machst wichtige Verhandlungsgespräche, gehst auf Beratungstermine, gibst Vorträge… ich könnte noch hundert weitere Dinge spontan aufzählen.

Wichtig ist zu erkennen in welchen Bereichen man selbst gut ist und welche Themen man besser auslagern sollte.

Glücklicherweise bin ich durch mein Bachelor- und Masterstudium, mein ehemaliges Gewerbe und meine praktischen Erfahrungen bereits ziemlich breit aufgestellt. Allerdings hat man auch hier irgendwann das Problem „Zeit“, denn man kann nicht alles allein machen. Das sollte man sich früher oder später selbst eingestehen und dann einen guten Plan aufstellen. Unabhängig davon sollte man natürlich vorher das Geschäftsmodell ausarbeiten und zumindest einen kurzen Businessplan schreiben. Ich habe mich relativ schnell dafür entschieden, meine Buchhaltung auszulagern. Da ich sonst selbst an alles Relevante denken muss, hatte ich zumindest in diesem elementar wichtigen Bereich von Anfang an professionelle Unterstützung an meiner Seite. Das wertet die eigene Risikoplanung schon mal erheblich auf. In den meisten anderen Bereichen habe ich bisher selbst meine Kompetenzen bestärkt und erweitert. Wie das trotzdem geht, bringt uns gleich zum nächsten wichtigen Punkt.

Stelle dich nicht zu breit auf.

Gerade in der Anfangszeit ist man froh über jeden Kunden. So kommt es dann auch schnell, dass man von Logo, über Visitenkarten, Flyer, Webseiten, Social Media über Imagefilme quasi das gesamte Angebot einer Full-Service Agentur anbieten möchte. Der Nachteil daran? Die Menschen können sich nicht wirklich merken was du anbietest und verstehen es meist auch nicht wirklich. Daher auch die vielmals gepredigte Empfehlung: Suche dir eine Nische. Denn die bittere Wahrheit ist: Wenn du alles anbietest, musst du dich in jedes Thema immer wieder ein Stück weit einarbeiten, kannst dein Vorgehen und deine Systeme bei weitem nicht so schnell optimieren, um schneller und effizienter zu arbeiten und kannst so auch nie wirklich viel Geld verdienen.

Baue ein breites Netzwerk auf.

Das bringt einem nicht nur Empfehlungen und Kunden, sondern vor allem auch einen unglaublich tollen Austausch. Ich habe noch nie so viele interessante und inspirierende Persönlichkeiten in so einem kurzen Zeitraum kennengelernt. Wöchentliches Coworking und gemeinsame Projekte sind seitdem Teil meines Arbeitsalltags geworden. Das beschreibt wohl auch besser die Frage nach der

Routine im Selbstständigen-Dasein.

Es geht weniger um immer gleiche Aufgaben, als um festgelegte Routinen und selbst entwickelte Systeme, um Herr über seine Aufgaben zu werden. Regelmäßig produktive Arbeitszeiten einräumen, Zeitblöcke einplanen für die Aufgaben, die einen ewig beschäftigen, mit denen man jedoch kein Geld verdient. Es sind eher die allgemeinen Regeln, die sich durch kontinuierliches Weiterbilden und Reflektieren ergeben. Dazu gehört zum Beispiel der gute alte Spruch „Get good at things, before you move to the next thing!“ – also werde erst gut in dem, was du tust, bevor du dich bereits der nächsten Aufgabe widmest. Entwickle für dich selbst ein gutes System, baue ein breites Netzwerk und passive Einnahmen auf und so überlebst du auch schwierige Zeiten wie diese. #corona

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